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Richard Oelze »eigene Urbilder«
Gemälde und Zeichnungen der 1950er und 1960er Jahre

Richard Oelze (1900–1980) ist mit seinem ab 1933 in Paris entstandenen Werk neben Max Ernst der bedeutendste deutsche Vertreter des Surrealismus. Ausgehend vom Bauhaus und dem Stil der Neuen Sachlichkeit entwickelt er seine unverwechselbare surreale Bildsprache, die die Malweise Alter Meister wieder aufgreift.

Nach 1945 lebt er zunächst in Worpswede und zeigt erstmals 1952 in einer Einzelausstellung seine Bilder in unserer Bremer Galerie. 1962 übersiedelt er nach Posteholz bei Hameln, wo er gänzlich zurückgezogen an seinen – wie er es nennt – »eigenen Urbildern« arbeitet.
Mit sieben Gemälden und ausgewählten Zeichnungen der 1950er und 1960er Jahre widmet sich unsere Ausstellung dem sehr produktiven Spätwerk Oelzes. In altmeisterlicher Lasurtechnik läßt er vegetativ-wolkige Naturformationen mit zum Teil figurativen Elementen wie Gesichtern und Augen – sogenannte »Innere Landschaften« – entstehen. Die mit malerischen Mitteln erzeugte »Unschärfe« dieser Bilder bedingt eine Rätselhaftigkeit, die die Titel noch verstärken, indem sie den Werken eigenständige, Oelzes umfangreichen Notizen entnommene Wortschöpfungen zuordnen. »Die Zeichnungen Oelzes […] haben den gleichen Grad an Vollendung, haben fast alle vollgültigen ›Bild‹-Charakter. Von Anfang an zeichnet Oelze wie gestochen – Punkt für Punkt, setzt haarfein Strich neben Strich« (Wieland Schmied 1965).

Richard Oelze war auf den wichtigsten Ausstellungen der Nachkriegszeit vertreten, darunter 1959 die Documenta II und 1964 die Documenta III sowie 1968 die Biennale in Venedig, auf der er im deutschen Pavillon eine umfangreiche Werkauswahl zeigte, zu der das bei uns ausgestellte Nach der Erzählung eines Traumes (Herinau) zählte. Seine Werke befinden sich in zahlreichen öffentlichen Sammlungen, wie dem Museum des 20. Jahrhunderts, Wien, der Neuen Nationalgalerie, Berlin, der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, und dem Museum of Modern Art, New York, das bereits 1940 das berühmte Gemälde Erwartung von 1935/36 erwarb.

Ausstellung in Berlin: 27. April – 29. Juni 2019
Di–Fr 10–18 Uhr, Sa 11–15 Uhr



Richard Oelze
„eigene Urbilder“
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