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Birgitt Bolsmann
Gemälde, Zeichnungen

Birgitt Bolsmann (1944–2000) erprobt noch während ihres Studiums bei Hans Thiemann und Kurt Kranz an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste eine gegenständliche Bildsprache, die sie ab 1973 in realistischen Bleistiftzeichnungen und Ölgemälden konsequent umsetzt: »Ich habe am Anfang meines Studiums eine Zeitlang abstrakt gearbeitet und dabei festgestellt, dass die Themen, die mich wirklich berühren, damit nicht darstellbar sind. Ich möchte eine klare Bildsprache benutzen und möchte von möglichst vielen Menschen mit so wenig Kunstvermittlung als nötig verstanden werden«, erklärt sie ihren Entschluss, mit dem sie zu der seit den frühen 1960er Jahren in der Kunst aufkommenden Bewegung gehört, die sich von Abstraktion und Informel abwendet.

Ihre Bildmotive findet Bolsmann zunächst in der Modefotografie und plakativen Werbung, die sie auf das darin propagierte Frauenbild hinterfragt. Bildtitel wie Das Ideal des Patriarchen (1977), Medusa lacht (1983) oder In Ledas Boudoir (1986) spiegeln den kritischen Blick der Künstlerin auf die männlich geprägten Bildthemen der Kunstgeschichte und überlieferten antiken Mythen wider. In einem vielschichtigen Malprozess in altmeisterlicher Mischtechnik (Eitempera und Harzölfarbe auf Leinwand) fixiert sie glasklar mit kühler Farbgebung ihre Sujets. In vorderster Bildebene in Szene gesetzt strahlen die detailgenau fixierten Motive eine konzentrierte Präsenz aus, die oft im Kontrast zur neutralen Flächigkeit des hellen Bildgrundes steht. Durch die bedrängende Unmittelbarkeit entlarvt Bolsmann nicht nur den schönen Schein des marktgerecht idealisierten, weiblichen Körpers, sie erschafft darüber hinaus ein formales Spannungsfeld zwischen realistischer Plastizität und flächiger Abstraktion – ihre Werke entzieht sie so der reinen Gegenstandstreue.

Zuletzt war Birgitt Bolsmann 1993 und 1996 in den beiden Realismus-Triennalen im Martin-Gropius-Bau vertreten. Anläßlich der Gallery Weekend *Discoveries zeigt der Kunsthandel Wolfgang Werner nun erstmals in Berlin einen umfassenden Werksüberblick, der Bolsmanns malerischen Hauptwerken die in ihrer Perfektion und Technik herausragenden Bleistiftzeichnungen zur Seite stellt.

Ausstellung in Berlin
15. September – 30. Oktober 2021


Birgitt Bolsmann
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