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ABSTRAKTION 1950 | 1960
Nay, K.O. Götz, Motherwell, Bluhm, Thomkins, Schumacher, Follett, Barré.
Ausstellung in Berlin 14.9.–5.11.2022

Ernst Wilhelm Nay wird am 11. Juni 1902 in Berlin geboren. Schüler von Karl Hofer an der Hochschule für Bildende Künste, Berlin. 1931 Bekanntschaft mit dem Kunstkritiker Will Grohmann. 1931/32 Rom, Villa Massimo, dort entstehen surrealistisch-abstrakte Bilder. Während des Krieges als entartet verfemt, zeitweilig mit Ausstellungsverbot belegt; zwei Arbeiten in der Ausstellung »Entartete Kunst«. 1937 unterstützt von Munch Norwegenreise, die »Lofoten-Bilder« entstehen. 1945–1948 »Hekate- Bilder«. 1951 übersiedelt er nach Köln, Freundschaft mit Hans Uhlmann. 1951–52 »Rhythmische Bilder«, seither ist Nays Werk ungegenständlich, spätere Bilder erlauben aber wieder Assoziationen an Figürliches; ab 1954 Werkphase der »Scheibenbilder«. 1956 Einzelausstellung im deutschen Pavillon der XXVIII. Biennale von Venedig; 1955, 1959 und 1964 Documenta I, II und III. Nay stirbt am 8. April 1968.

Karl Otto Götz wird am 22. Februar 1914 in Aachen geboren. 1932 Kunstgewerbeschule Aachen, setzt sich mit Gris, Picasso, Kandinsky, Klee und Max Ernst auseinander. Ab 1936 Experimente mit abstrakten Filmen, Fotogrammen und Fotomalerei. Beeinflusst von Herbert Reads Buch »What is Surrealism?«; erste Spritzbilder. 1948 erhält er den Kunstpreis »Junger Westen«. 1948–1953 Herausgeber der Zeitschrift für moderne Kunst und Poesie »Meta«. 1949 einziges deutsches Mitglied der Gruppe COBRA, u.a. mit Karel Appel, Corneille und Asger Jorn. 1952 entwickelt er eine neue Maltechnik mit Pinseln und Rakeln verschiedener Größe. Erste informelle Bilder. 1954 gründet er mit Edouard Jaguer, Paris, die Künstlergruppe Phases. Erste Einzelausstellungen in der Galerie Creuze in Paris und in der Galerie Dusanne in Seattle, USA. 1958 Teilnahme an der XXIX. Biennale in Venedig. 1959 Teilnahme an der Documenta II. 1959–1979 Professur an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Schüler von ihm sind u.a. Gotthard Graubner, Sigmar Polke und Gerhard Richter. 2013 Retrospektive zum 100. Geburtstag Neue Nationalgalerie, Berlin. Götz stirbt am 19. August 2017 in Niederbreitbach- Wolfenacker im Westerwald.

Robert Motherwell wird am 24. Januar 1915 in Aberdeen, Washington geboren. 1937–38 studiert er Philosophie in Harvard. 1938–39 verbringt er ein Jahr in Paris und Grenoble. 1940 zieht er nach New York, studiert an der Columbia University Kunstgeschichte bei Meyer Schapiro. Beeinflußt vom Surrealismus, beginnt er 1941 mit den »automatic drawings«. 1942 Umzug nach Greenwich Village; entscheidet sich ganz für die Malerei und ist der jüngste Mitbegründer des Abstrakten Expressionismus. 1945 Vertrag mit der Samuel Kootz Gallery. Er zieht nach East Hampton. Bekanntschaft mit William Baziotes, Adolphe Gottlieb und Mark Rothko. Mit Rothko und David Hare gründet er 1948 die informelle Schule Subjects of Art. 1949 malt er das erste großformatige Bild der Serie »Elegy to the Spanish Republic«. Das Thema, eine düstere Darstellung des Untergangs der spanischen Republik während des Bürgerkriegs, beschäftigt ihn über Jahrzehnte in mehr als 150 Gemälden, die durch schwarze vertikale und ovale Formen auf weißer Leinwand strukturiert sind. 1959 und 1964 Teilnahme an der Documenta II und III. Motherwell stirbt am 16. Juli 1991 in Provincetown.

Norman Bluhm wird am 28. März 1921 in Chicago geboren. 1936 Architekturstudium bei Mies van der Rohe. 1947–56 lebt er in Paris, Kontakt zu Sam Francis, Jean-Paul Riopelle und Joan Mitchell. 1950–54 entwickelt er seinen eigenen Stil des Abstrakten Expressionismus. Seine lichterfüllten, stark farbigen »all-over-paintings« baut er aus verschieden langen und breiten Strichen auf, die in mehreren Schichten übereinander gelegt sind. 1956 Rückkehr nach New York, trifft dort Franz Kline und Willem de Kooning. Bluhm gehört mit John Chamberlain, Al Leslie, Joan Mitchell und Mark Di Suvero zur zweiten Generation des Abstrakten Expressionismus; anders als bei Jackson Pollock sind für diese Künstler, bedingt durch ihre europäischen Einflüsse, Komposition, Zeichnung, Farbe, Struktur und Bildoberfläche von Bedeutung. 1957 erste Einzelausstellung in der Galerie Leo Castelli, New York; 1959 dort mit Jean Dubuffet und Robert Rauschenberg. Teilnahme an der Documenta II. Ab 1960 entstehen Bluhms »gestural structures«: Bilder, gespritzt mit farbgetränktem Pinsel und mit teils verlaufender Farbe in schwarzen, weißen und gedeckten Tönen. Bluhm stirbt am 3. Februar 1999 in East Wallingford, Vermont.

André Thomkins wird am 11. August 1930 in Luzern geboren. 1952 Umzug nach Deutschland. Er begeistert sich für Hans Arp, Dada und Marcel Duchamp, ebenso für den Surrealismus, die Pittura Metafisica, Max Ernst und Paul Klee. 1960–1964 entstehen große Lackskins = auf Wasser schwimmende Bilder. Diese von ihm entwickelte Technik verbindet den Zufallsmoment der auf Wasser geträufelten Lackfarbe mit präziser Gestaltung. Durch Manipulation der sich bildenden Lackhaut werden die Farbverläufe durch Blasen mit Strohhalmen, Dirigieren mittels Hölzern oder Einschneiden der sich abbindenden Farbfläche gestaltet. Das so entstehende Bild bleibt über viele Stunden veränderbar, bis es dann auf einer Papierfläche im Wasser abgerollt wird. 1969 Ausstellung »friends + fruend, freunde + freunde« mit Dieter Roth, Karl Gerstner, Daniel Spoerri und Freunden in Bern und Düsseldorf. 1972 und 1977 Teilnahme an Documenta 5 und 6 in Kassel. 1982 DAAD-Stipendium in Berlin. 1985 stirbt Thomkins am 9. November in Berlin.

Emil Schumacher wird am 29. August 1912 in Hagen geboren. 1935–39 und wieder ab 1945 freier Maler. 1948 Mitbegründer der Künstlervereinigung Junger Westen in Recklinghausen. 1951 Reise nach Paris; erste ungegenständliche Bilder. 1955 vertreten in der von René Drouin ausgerichteten Ausstellung »Peintres et sculpteurs non-figuratifs en Allemagne d'aujourd'hui«, die erstmals nach Kriegsende wieder deutsche Gegenwartskunst in Frankreich zeigt. 1956 erste »Tastobjekte«, sie führen ihn zum »Materialbild«, d.h. zu einer aufgebrochenen, mit verschiedenen Werkzeugen behandelten Bildoberfläche, in der die Materialität der Farbe durch Schichtung und das Übereinanderlagern von Pigmenten als Farbkörper erfahrbar wird. Damit ein Hauptvertreter der Informellen Malerei. Professuren 1958–60 an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg, 1966–77 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe. 1958 Teilnahme an der XXIX. Biennale von Venedig; 1959, 1964 und 1977 an der Documenta II, III und 6. Schumacher stirbt am 4. Oktober 1999 in San José auf Ibiza.

Jean Follett wird 1917 in St. Paul, Minnesota geboren. Studiert in den späten 1930er Jahren an der St. Paul School of Art. Im Zweiten Weltkrieges im Women's Army Corps in Des Moines, Iowa. 1946 zieht sie nach New York, studiert bei Hans Hofman. Ab 1950 experimentiert sie mit der Technik der Assemblage: Gefundene Objekte aus Metall und Schutt werden in pastose Farbschichten eingebettet, so dass Werke mit reliefartiger Oberfläche entstehen. 1950–51 Aufenthalt in Paris. 1951 Gründungsmitglied der als Künstlerkollektiv geleiteten Hansa Gallery, New York. Freundschaft mit Allan Kaprow und Jean Dubuffet, dessen Art Brut Einfluss auf Folletts Ansatz von Figuration und Abstraktion nimmt. 1954 im Salomon R. Guggenheim Museum, New York, in der Ausstellung »Young American Painters« neben u.a. Willem de Kooning, Franz Kline, Roberto Matta und Robert Motherwell vertreten. 1961 Teilnahme an der Ausstellung »The Art of Assemblage« im Museum of Modern Art; 1964 in »Black, White and Grey: Contemporary Painting and Sculpture« im Wadsworth Atheneum. Kehrt 1962 nach einem Brand in ihrem Atelier, der einen Großteil ihrer Arbeiten zerstört, nach Minnesota zurück. Follett stirbt 1990 in Minneapolis.

Martin Barré wird am 22. September 1924 in Nantes geboren. Studiert dort erst Architektur, dann Malerei an der Ecole des Beaux-Arts. 1945 Freundschaft mit Michel Ragon, der ihn später in die Pariser Kunstszene einführt, dieser erinnert Barrés frühe Bewunderung für Le Corbusier, Schlemmer und Mies van der Rohe. Ab 1948 ansässig in Paris. 1955 erste Ausstellung abstrakter Gemälde in der Galerie La Roue. 1958 um den künstlerischen Ausdruck zurückzunehmen, arbeitet Barré nun mit einem Palettenmesser. 1958 Reise in die Niederlande, Auseinandersetzung mit Malewitsch: weiße Flächen werden immer stärker gewichtet, streng reduzierte Formen, Großteil der Bildfläche bleibt frei. Den physischen Kontakt zur Leinwand reduziert Barré, indem er ab 1960 die Farbe in Linien direkt aus der Tube drückt, ab 1963 sprayt er in mattem Schwarz auf die weiße Bildoberfläche. Er nutzt seit 1967 eine Pfeil-Schablone zur kontrollierten Zeichensetzung. 1965 Ausstellung im Berliner Haus am Lützowplatz. 1964 und 1978 auf der Biennale in Venedig vertreten. Barré stirbt am 8. Juli 1993 in Paris. 2020/21 große Retrospektive im Centre Pompidou, Paris. weitere Informationen und Werke unter www.kunsthandel-werner.der