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André Thomkins
1930–1985

Der Schweizer André Thomkins zählt zu den außergewöhnlichsten künstlerischen Positionen der Nachkriegszeit. Seit 1952 in Deutschland ansässig, schafft er – äußerst experimentierfreudig und mit dem jugendlichen Berufswunsch »Architekt für phantastische Gebäude« – ein so vielfältiges Werk, dass es sich einer klaren kunstgeschichtlichen Einordnung widersetzt.

Inspiriert von Surrealismus, DADA und Pittura Metafisica, von Künstlern wie Paul Klee, Max Ernst oder Marcel Duchamp, entstehen Gemälde, unzählige Zeichnungen, Aquarelle und Collagen, aber auch Objekte aus Trouvaillen des Alltags wie Gummibändern, Knöpfen und Zeitungsausschnitten. Darüber hinaus entwickelt Thomkins ab Mitte der 1950er Jahre eigene künstlerische Techniken, die ihn in die Nähe des zeitgenössischen Informel und Abstract Expressionism rücken:
Seine Lackskins entstehen, indem er zähflüssige Lackfarbe auf eine Wasserschicht träufelt und die entstandene Konstellation mit Pusten und Holzstäbchen so lange verändert, bis der gewünschte Endzustand erreicht ist und das auf dem Wasser schwimmende Bild auf eine Papierfläche abgehoben wird. Bei der Rollage wird eine mit Farbe und Leim bestrichene Gummiwalze auf einem Blatt Papier abgerollt und der noch feuchte Farbgrund bearbeitet; inhaltliche Bedeutung wird über ein assoziativen Titel erzeugt. Für die Scharniere trägt er auf die Hälfte eines gefalteten Blattes einen Lackfaden auf, der sich wie bei einem Rohrschachtest-Bild beim Falten symmetrisch auf der anderen Hälfte abdruckt.

Wesentlicher Bestandteil des Werkes von Thomkins sind die sprach-künstlerischen Arbeiten und ein spielerischer Umgang mit Sprache überhaupt, der gerade seine assoziativ-humorvollen Bildtitel prägt. Er verfügte über ein Netzwerk enger Freunde, darunter die Fluxus-Künstler Dieter Roth, Daniel Spoerri und Robert Filliou sowie Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl. Von 1971 bis 1974 lehrte er an der Kunstakademie in Düsseldorf. Seit 1978 war Thomkins Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 1982 arbeitete der zweimalige documenta-Teilnehmer im Rahmen eines DAAD-Stipendiums in Berlin. 1989 widmete ihm die Akademie der Künste eine umfangreiche Gedächtnisausstellung; 2013/14 Einzelausstellung »André Thomkins. Eternal Network« im Kunstmuseum Liechtenstein und März–Juli 2022 Präsentation in der Sammlung Scharf-Gerstenberg, Berlin.

Zum Gallery Weekend Berlin bietet der Kunsthandel Wolfgang Werner mit Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen, Lackskins, Rollagen, Scharnieren, Rapportmustern, Pantographenzeichnungen und Paraphrasen der Jahre 1948 bis 1982 einen umfassenden Einblick in die erfindungsreiche Wort- und Bildwelt des Künstlers André Thomkins.

Ausstellung in Berlin: 29. April – 18. Juni 2022


André Thomkins
Lackskins und ein Ölbild
Katalog 2010


André Thomkins
Zeichnungen, Aquarelle, Collagen, Objekte
Katalog 2000